Fokusgruppe

Bei einer Fokusgruppe handelt es sich um eine moderierte Diskussion zu einem bestimmten Thema. Diese Methode dient dazu, Anregungen aus der Benutzergruppe über Gestaltungsvarianten oder Inhalte zu erhalten. Es geht darum Konflikte und Widersprüche zwischen unterschiedlichen Nutzern aufzudecken, um verschiedene Ideen zu dem Diskussionsthema zu erhalten. Eine Fokusgruppe kann sowohl bei der Neuentwicklung oder bei einem bereits bestehenden Produkt wertvolle Erkenntnisse liefern. Damit die Ergebnisse repräsentativer sind, ist die Durchführung von mindestens zwei Fokusgruppen zu einem Thema zu empfehlen.

Wann?

Fokusgruppen werden in allen Phasen des Usability-Entwicklungsprozesses eingesetzt. Werden in jeder Phase die gleichen Teilnehmer eingeladen, können sie Rückmeldungen über die Umsetzung ihrer Ideen, beispielsweise an Hand eines Prototyps, geben.

Wer?

Fokusgruppen sollten von einem möglichst erfahrenen Moderator geleitet werden. In der Regel nehmen zwischen 6 bis 12 potenzielle Nutzer aus der Zielgruppe an einer Fokusgruppe teil.

Wo?

Es sollten geeignete Räumlichkeiten, wie ein Konferenzraum, zur Verfügung stehen.

Tools?

Prototypen oder erste Entwürfe der Anwendung helfen dabei, das Gespräch zu fokussieren.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung gehört vor allem eine konkrete Zielsetzung, die mit dem Auftragggeber abgesprochen werden muss und ein gut durchdachtes Konzept zur Moderation. Das heißt, der Diskussionsleiter muss sich umfassend über das Thema informieren und Fragestellungen entwickeln, die er während der Diskussion im Hinterkopf behält. Eine Fokusgruppe sollte außerdem mit einer Videokamera aufgezeichnet und/ oder von einem Protokollanten begleitet werden, damit die Ergebnisse besser ausgewertet werden können. Zur Vorbereitung gehört es auch, eine angenehme Atmosphäre für die Teilnehmer zu schaffen z. B. durch Getränke und kleine Snacks.

Bei der Auswahl der Teilnehmer spielt auch die Entscheidung zwischen einer heterogenen Gruppe und einer homogenen Gruppe eine wichtige Rolle. Homogene Gruppen neigen eher dazu schnell einen gemeinsamen Konsens zu finden, was die Moderation einfacher macht, aber dazu führen kann, dass der Erkenntnisgewinn geringer ist.

Durchführung

Eine Fokusgruppe besteht typischerweise aus einer Einleitung, dem Hauptteil der Diskussion und einer Zusammenfassung. Die Einleitung besteht aus einer Vorstellung des Moderators, des Protokollanten und der Teilnehmer. Wichtig ist es auch den Teilnehmern deutlich zu machen, dass es um ihre Bedürfnisse geht und keinesfalls um technisch Machbares. Der Moderator erklärt außerdem das Thema und den Ablauf, sowie die wichtigsten Verhaltensregeln.

Im Hauptteil der Fokusgruppe kommt dem Moderator eine entscheidende Rolle zu. Er muss die Fähigkeit haben sich zurückzunehmen, aber auch im richtigen Moment einzuschreiten, um die Aufmerksamkeit der Teilnehmer gegebenfalls wieder auf das eigentliche Thema zu lenken. Wichtig ist vor allem seine Objektivität, damit die Teilnehmer in ihrer Meinung nicht beeinflusst werden.

Zu den Aufgaben eines Moderators gehört es, Sachverhalte zu klären oder die Teilnehmer zu motivieren ihre Gedanken weiter auszuführen. Fragen müssen dabei möglichst offen formuliert sein, damit sie keine Antwort im Voraus implizieren. Auf interessante Aussagen kann der Moderator oft schon durch einfache Nachfragen wie "Warum?" oder "Was gefällt Ihnen daran besonders?" eingehen. Zwischendurch sollten die Ergebnisse immer wieder vom Moderator zusammengefasst werden. Dies hilft dem Protokollanten und stellt sicher, dass alle Beiträge richtig verstanden wurden. Während des Gesprächs sollte der Moderator immer wieder auf die Einhaltung von Gesprächsregeln achten und die Teilnehmer ggf. auffordern sich daran zu halten. Zum Abschluss der Fokusgruppe ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse sinnvoll. Auch sollte jedem Teilnehmer die Möglichkeit zu einem Fazit gegeben werden, wobei dieses aber nicht mehr kommentiert wird.

Die folgende Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus einer Fokusgruppe, die dem Praxisbeispiel WearItFair entnommen ist.

Diskussion während einer Fokusgruppe: Praxisbeispiel des Online-Shops WearItFair

Ergebnis

Eine Nachbesprechung zwischen Moderator und Protokollant unmittelbar nach der Diskussion ist hilfreich, um die wichtigsten Erkenntnisse sicherzustellen. Die Auswertung des Protokolls und/ oder der Videoaufzeichnung kann zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Da eine Fokusgruppe darauf abzielt unterschiedliche Positionen zu einem Thema einzufangen, ist von dem Ergebnis keine Einschätzung zu erwarten wie z.B. "die meisten Teilnehmer fanden Alternative A am besten". Vielmehr ist das Ziel ein differenziertes Meinungsbild zu dem Diskussionsthema zu erhalten.

Informationen im Internet

Weiterführende Literatur

  • Heinsen, Sven; Vogt, Petra (Hrsg.): Usability praktisch umsetzen. Handbuch für Software, Web, Mobile Devices und andere interaktive Produkte. München, Wien: Carl Hanser Verlag (2003)