Remote Usability-Test

Der Remote Usability-Test ähnelt einem normalen Usability-Test, der Usability-Engineer und die Testperson sind jedoch räumlich voneinander getrennt. Diese Methode bietet sich bei bei schwer zu erreichenden Benutzern an, da sie von zu Hause oder am Arbeitsplatz an einem Test teilnehmen können. Außerdem kann die Testsituation so realitätsnäher gestaltet werden.

Die Testperson ist über das Internet mit dem Computer des Usability-Experten verbunden. Eine entsprechende Software ermöglicht es, dass der Usability-Experte den Bildschirm oder den Internetbrowser der Testperson sieht. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, Sprache und die Videobilder des Testleiters und der Testperson zu übertragen, so dass sich beide sehen und hören können.

Wann?

Remote Usability-Testing ist eine Form des Usability-Tests und ist somit in mehreren Bereichen der Entwicklung angesiedelt. Es können Prototypen, Zwischenschritte und fertige Produkte getestet werden.

Wer?

Der Test wird von Usability Spezialisten geleitet. Die Nutzer müssen sorgfältig ausgwählt werden, damit sie repräsentativ für die spätere Nutzergruppe sind.

Wo?

Der Remote Usability-Test findet an zwei Orten gleichzeitig statt. Der Usability-Experte arbeitet in dem Usability-Labor und die Testperson kann den Test von zu Hause oder am Arbeitsplatz durchführen. Der Usability-Experte und die Testperson sind über das Internet verbunden.

Tools?

Bei einem Remote-Usability-Test wird eine spezielle Software zum Teilen des Bildschirms verwendet. Der Testleiter sowie die Testperson brauchen einen Breitbandanschluss.

Unterscheidung verschiedener Remote-Testing-Verfahren

Bei einem asynchronen Remote-Usability-Test sind die Abläufe in ein Programm integriert, welches den Test mit der Testperson automatisch durchführt. Da keine Testleiter für diese Form des Remote-Usability-Test benötigt werden, ist die Testperson zeitlich unabhängig von dem Testleiter. Bei einem synchronen Remote-Usability-Test müssen Testleiter und Testperson zur gleichen Zeit online sein. Sie führen den Usability-Test mit Hilfe eines Programms durch, das es ihnen erlaubt, den Bildschirm zu teilen und miteinander zu kommunizieren. Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf den synchronen Remote-Usability-Test.

Vorbereitung

Die Vorbereitung eines synchronen Remote-Tests gestaltet sich ähnlich wie bei einem Usability-Test im Labor. Der Usability-Experte macht sich mit dem Testobjekt vertraut und schafft alle Voraussetzungen, damit der Test stattfinden kann. In einem Testleitfaden werden die Aufgaben genau formuliert und der Testablauf festgelegt. Testpersonen werden möglichst der Zielgruppe des Produktes entsprechend rekrutiert, um die Testergebnisse nicht zu verfälschen. Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen sind, wird ein Pretest durchgeführt, um Fehler im Testaufbau auszumachen und den zeitlichen Rahmen zu testen.

Bei einem Remote-Test muss die Software für die Verbindung zur Testperson ausgewählt und bereitgestellt werden, dabei kann Software für die gemeinsame Nutzung des Bildschirms (Screensharing) oder für Online-Meetings zum Einsatz kommen. Wichtig ist, dass die Verbindung verlässlich funktioniert und auf Seiten der Testperson möglichst wenig Konfigurationsaufwand erfordert. Die Anforderungen an die technische Ausstattung auf Seiten der Testperson sollten möglichst wenige Nutzer ausschließen. Für die spätere Auswertung muss der Test mit geeigneten Verfahren aufgezeichnet werden.

Durchführung

Bei einem Remote-Test arbeitet die Testperson an einem eigenen Rechner, der online mit dem des Testleiters verbunden ist. Der Testleiter kommuniziert mit der Testperson über eine Sprachverbindung oder zusätzlich auch über eine Videoübertragung. Die Testperson bearbeitet die vorgegebenen Aufgaben anhand eines Prototypen oder einer Website. Die Testperson wird angehalten "laut zu denken", da der Testleiter meist nur so den Ursprung der Probleme und die Gedanken der Testperson erfassen kann. Oft werden, wie bei Usability-Tests, zwischen den einzelnen Aufgaben zusätzlich Interviewfragen oder kurze Fragebögen eingesetzt.

Bei einem Remote Usability-Test kann die Kommunikation durch mehrere Faktoren gestört werden. Bei der Sprachübertragung können technische Probleme auftreten, die meist auf die Internetverbindung zurückzuführen sind. Die Testperson muss also eine bestimmte Bandbreite haben um das Videobild, die Sprache und den Inhalt des Bildschirms zu dem Testleiter zu übertragen. Der Testleiter muss darauf achten genügend Rückmeldungen zu geben um auszugleichen, dass die Testperson nur das Gesicht des Testleiters sehen kann.

Auswertung

Die Aufzeichnungen werden ausgewertet und auf das Auftreten von Problemen hin untersucht. Nach der Durchführung aller Tests diskutieren die Testleiter und die Testbeobachter die Ergebnisse. Tritt ein Problem bei mehreren Testpersonen auf, ist dies ein deutlicher Hinweis auf ein Usability-Problem. Die Probleme werden danach bewertet, wie sehr sie die Usability der Anwendung beeinflussen, damit die dringendsten Probleme direkt beseitigt werden können. Hierfür können Lösungsvorschläge ergänzt werden. Die Ergebnisse werden anschließend als Bericht aufbereitet und können zusätzlich in Workshops vermittelt und diskutiert werden.

Informationen im Internet

Weiterführende Literatur

Eckert, A.: Social Software und Usability: Ein empirischer Vergleich der Usability-Testmethoden Labortest, synchroner Remote Test und asynchroner Remote Test im Anwendungsbereich des Web 2.0, Universität Hildesheim, Magisterarbeit im Studiengang IIM, 2008 (online)