Projektplanung für internationale Web-Projekte

Internationale Web-Projekte, also die Entwicklung von Internetseiten, die in verschiedenen Sprachen und für internationale Zielgruppen angeboten werden sollen, haben meist einen großen Umfang und stellen eine große Herausforderung in Bezug auf Planung und Umsetzung dar.

In vielen Fällen muss das Management von weltweit verteilt arbeitenden Teams berücksichtigt werden: Der Aufwand für die Kommunikation wird dabei stark erhöht. Möglichkeiten für das Projektteam sich persönlich zu treffen, sind daher - gerade zu Beginn des Projektes - wichtig. Bei der Planung müssen unterschiedliche Zeitzonen und Feiertage berücksichtigt werden. Vom Projektleiter wird ein besonderes Gespür für das kulturell bedingt unterschiedliche Verständnis von Begrifflichkeiten und von geplanten Abläufen verlangt [Stoyan 2007]

Bei der Planung für ein internationales Web-Projekt gibt es mehrere Phasen zu berücksichtigen:

  1. Internationalisierung: Sprachunabhängige Gestaltung des verwendeten Informationssystems (und internationalisiertes Produkt evaluieren)
  2. Lokalisierung: Anpassung der Inhalte des Systems und der Inhalte für die wichtigsten Zielregionen (Lokalisierte Varianten evaluieren)
  3. Für weitere Zielregionen lokalisieren und dabei die Erkenntnisse aus den vorangegangenen Anpassungen nutzen
  4. Pflege und Aktualisierung der Inhalte

Internationalisiertes System erstellen

Zunächst muss eine internationalisierte, also auf mehrere Sprachen vorbereitete Version der Website in der Ausgangsprache erstellt werden. Bei einer Neuentwicklung kann die Internationalisierung von vornherein berücksichtigt werden, ansonsten kann eine bereits bestehende Version entsprechend umgestaltet  werden [Esselink 2000:37].

Bevor mit der Umsetzung begonnen wird, muss entschieden werden, ob eine zentrale Website für alle Inhalte oder mehrere unterschiedliche Websites für die einzelnen Zielregionen aufgebaut werden soll. Letzteres wird im Allgemeinen nur in Erwägung gezogen, wenn eine Firma im Zielland stark präsent ist. Für die lokalen Versionen müssen die entsprechenden Internet-Domains beschafft werden.

Zunächst muss eine geeignete technische Plattform für die Website aufgebaut werden, welche die Verwendung verschiedener Sprachen (Zeichensätze, mehrsprachige Benutzeroberfläche) und die Verwaltung der Inhalte erlaubt (siehe auch Technische Voraussetzungen). Gleichzeitig muss die unterschiedliche technische Infrastruktur in den verschiedenen Zielregionen berücksichtigt werden.

Die Struktur der Website muss so gestaltet werden, dass verschiedene Sprachbereiche unterstützt werden. Die Sprachauswahl sollte beim Betreten der Seite und über ein entsprechendes Auswahlmenü auf allen Unterseiten möglich sein und für jeden Nutzer gespeichert werden.

Lokalisierung: Anpassung der Inhalte

Im nächsten Schritt werden die Inhalte für die einzelnen Zielregionen angepasst. Dabei sollten zunächst die wichtigsten Regionen berücksichtigt und die Ergebnisse überprüft werden. Im weiteren Verlauf und aufbauend auf den Erfahrungen aus den ersten Anpassungen können weitere Zielregionen hinzugefügt werden [Stoyan 2007].

Für die Planung ist es wichtig, vorab zu untersuchen, welche Texte direkt übersetzt werden können, und welche auch inhaltlich an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden müssen (siehe auch Sprache und Übersetzen und Kulturdimensionen).

Die Übersetzung und Anpassung der Inhalte bedeutet einen sehr großen Aufwand und kann bei entsprechender Vorbereitung an externe Dienstleister ausgelagert werden. Wenn möglich, sollten eigene Außenstellen in den Zielländern in den Prozess der Übersetzung und Prüfung miteinbezogen werden [Esselink 2000:36].

Weiterhin muss auch die Benutzerschnittstelle angepasst werden, zum Beispiel Beschriftungen von Bedienungselementen und Hinweistexte. Bei Struktur und Design  muss der kulturelle Kontext berücksichtigt werden (Verständnis von Grafiken und Farbe)

Über die Inhalte hinausgehend ist es wichtig, landesspezifische rechtliche Besonderheiten  (siehe etwa Hoeren 2010 Kapitel 8 - Online) zu klären. Gegebenenfalls müssen auch die  jeweiligen Angebote  für die verschiedenen Ziel-Märkte angepasst werden.

Pflege und Aktualisierung der Inhalte

Da sich Inhalte auf Websites häufig ändern, darf der Aufwand für die Pflege nicht unterschätzt werden. Es ist wichtig, einen Plan für die Aktualisierung und Pflege der Inhalte in verschiedenen Sprachen auszuarbeiten. Dabei ist in global ausgerichteten Unternehmen zu beachten, welche Bestandteile der Website zentral, und welche eventuell vor Ort in den jeweiligen Regionen gepflegt werden und von wem die Überprüfung der Übersetzungen durchgeführt wird. Wenn möglich werden Redaktionsteams für den zentralen, globalen Bereich und für die einzelnen Regionen gebildet [Stoyan 2007].

Wird ein externer Dienstleister mit der Lokalisierung beauftragt, kann es vorteilhaft sein, zu diesem langfristige Beziehungen aufzubauen. Wichtig ist, dass ein Ablauf für die Benachrichtigung und Übersetzung bei Aktualisierungen der Seite geplant und eingesetzt wird. Für große und komplexe Websites können Benachrichtigungs-Mechanismen bei Änderungen auf der Website eingesetzt werden, um die Anpassung von Inhalten automatisiert anzustoßen [Esselink 2007:39].