Beispiele...

... für Use Cases gibt es auch in der Fallstudie zum Online-Shop WearItFair

Use Case (Interaktionsszenario)

Ein Use Case (auch Interaktionsszenario oder Nutzungsszenario) beschreibt beispielhaft die Durchführung einer Aufgabe durch einen Nutzer auf der geplanten Website. Während der Entwicklung werden dadurch die möglichen Interaktionen mit der Website für alle Beteiligten verständlich festgelegt und die Kommunikation darüber erleichtert. Use Cases helfen dabei, Konzeption und Entwicklung während des gesamten Entwicklungprozesses an den Nutzerbedürfnissen auszurichten.

Wann?

Use Cases werden im Vorfeld der Entwicklung und besonders im User Centered Design als Teil der Anforderungsanalyse erstellt, und während der gesamten Entwicklung verwendet

Wer?

Use Cases werden von Usability-Experten erstellt.

Wo?

nicht ortsgebunden

Tools?

Eventuell Software für die Erstellung von Diagrammen (z.B. Microsoft Visio)

Vorbereitung

Die Vorbereitungen, um einen Use Case zu erstellen, liegen vor allem in der Sammlung von Informationen über den Nutzer. Dazu wird vor der Erstellung der Use Cases eine Nutzeranalyse durchgeführt, z.B. mit Hilfe von Personas, Interviews, Beobachtung oder Fokusgruppen. Daneben sollte sich der Usability-Experte einen Überblick über das System, den Nutzungskontext und die wesentlichen zu modellierenden Aufgaben verschaffen.

Durchführung

Der Experte überlegt sich an Hand der Ergebnisse aus der Nutzeranalyse, welches die zentralen Aufgaben sind, welche die Nutzer bewältigen müssen. Das kann z.B. die Suche nach Informationen oder Produkten in einem Online-Shop sein. Bei einer Online-Community könnte das Szenario einer Nachrichtenübermittlung beschrieben werden. Oft werden Use Cases im Bereich Usability in einem Fließtext formuliert, der die zu bewältigende Aufgabe des Nutzers beschreibt. Ist die Aufgabe sehr komplex, bieten sich zusätzlich grafische Darstellungen einer Interaktion an.

Bei der Formulierung eines Use Cases kann schrittweise vorgegangen werden:

  1. Definition und Priorisierung der Ziele einer Aufgabe: Warum besucht der Nutzer die Website? Welche Priorität hat sein Anliegen?
  2. Definition von groben Abläufen zur Erreichung der Ziele: Wie erreicht der Nutzer sein Ziel? Kennt der Nutzer die Website bereits oder besucht er sie zum ersten Mal?
  3. Definition detaillierter Aufgaben zur einzelnen Schritten: Welche Informationen benötigt der Nutzer, um sein Ziel zu erreichen? Wie wichtig ist diese Information für den Nutzer? Sind diese Informationen zentral anzusiedeln, oder nur in einem bestimmten Kontext relevant (z.B. AGBs)?
  4. Verbinden der einzelnen Schritte zu logischen Einheiten: In welcher Reihenfolge bewältigt der Nutzer die Aufgaben? Welche Möglichkeiten der Verknüpfung gibt es?

Ergebnis

Das Ergebnis sind Beschreibungen von mehreren Szenarien, bei denen ein Nutzer mit Hilfe der Software oder der Website eine Aufgabe durchführt. Dabei werden jeweils beispielhaft konkrete Fälle mit fiktiven Nutzern (z.B. aufbauend auf einer Persona) und deren persönlicher Motivation und ihren Zielen beschrieben. Diese Beschreibungen werden eventuell mit zusätzlichen Diagrammen ergänzt um das Verständnis zu erleichtern. Sie können ein wichtiges Mittel sein, um Software oder Websites an die Bedürfnisse des Nutzers anzupassen und genau die Funktionen anzubieten, welche die Nutzer tatsächlich brauchen.

Die folgende Grafik zeigt in einer Übersicht beispielhaft, wie Use Cases miteinander verknüpft sein können. Im Praxisbeispiel WearItFair wurde für jede Persona ein Dokument mit den möglichen Use Cases angelegt.

Use-Cases Diagramm
Use-Case Diagramm: Praxisbeispiel des Online-Shops WearItFair

Use Cases im Software Engineering

Der Begriff "Use Case" existiert auch in der Softwareentwicklung und wird dort mit "Anwendungsfall" übersetzt. Use Cases in der Softwareentwicklung müssen sehr detailliert sein und alle möglichen Interaktionspfade abbilden, da sie später für die Entwickler als Vorlage dienen, um das System umzusetzen. Im Bereich Usability werden dagegen einzelne, exemplarische Anwendungsfälle zusammen mit dem jeweiligen Nutzungskontext beschrieben. Use Cases werden hier zu Beginn des Entwicklungsprozesses bewusst ungenau gehalten. Die genauere Spezifizierung der Umsetzung soll im weiteren, iterativen Entwicklungsprozess erfolgen.

Informationen im Internet

Weiterführende Literatur

  • Cato, John: User Centered Web Design. Harloe, London: Addison-Wesley (2001)
  • Carroll, J.M.; Rosson, M.B.: Usability Engineering. Scenario-Based Development of Human-Computer Interaction. 1. Aufl., Morgan Kaufmann. (2001)
  • Courage, C. & Baxter, K.: Understanding Your Users: A Practical Guide to User Requirements Methods, Tools, and Techniques. 1. Aufl., Morgan Kaufmann. 2005
  • Donelly, Vanessa: Designing Easy-to-use Websites. A Hands-on Approach to Structuring Sucessfull Websites. Harlow, London: Addison-Wesley (2001)
  • Heinsen, Sven; Vogt, Petra (Hrsg.): Usability praktisch umsetzen. Handbuch für Software, Web, Mobile Devices und andere interaktive Produkte. München, Wien: Carl Hanser Verlag (2003)